Bewusste, gesunde Ernährung? Warum eigentlich…

Gesunde Ernährung spielt für mich eine große Rolle. Die Leute fragen mich immer wieder: Isabelle, warum ernährst du dich eigentlich so gesund? Warum achtest du so genau darauf, was du isst? Das ist doch krankhaft. Es ist doch völlig egal was wir essen, der Körper holt sich schon immer alles was er braucht.

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Interessante Frage die mir die Leute da immer wieder stellen. Ich frage mich da automatisch immer, warum die Leute denn nicht auf ihre Ernährung achten? Denn oft stellen mir solche Menschen die Frage, denen man genau ansieht, was sie essen.

Vegetarische Kinder gehen allen auf den Keks

Für mich ist es völlig normal, über den Inhalt meines Tellers nachzudenken, denn ich stelle mir die Frage nach der Ernährung bereits seit über 15 Jahren. Man könnte sagen ich bin gewohnheitsmäßiger gesundesser. Natürlich habe ich schon einiges ausprobiert, was die Ernährung angeht. Angefangen habe ich vor langer Zeit damit, dass ich alle genervt habe weil ich Vegetarier war. Damals war ich acht Jahre alt und mir schmeckte Fleisch ganz einfach nicht. Damals musste ich auf Familienfesten bereits mit meinen Onkels und Tanten über Ernährung diskutieren. Und auch damals wurde mir die Frage schon gestellt.

In der Pubertät habe ich dann wieder angefangen, normal zu essen. Das bedeutete für mich damals, einfach überhaupt nicht mehr zu reflektieren was ich denn aß. Schnell legte ich an Gewicht zu, ich bekam sogar Schwangerschaftsstreifen. Meine Haut sah echt übel aus. Ich hatte Pickel und Mitesser wie ein Streuselkuchen, das klang übrigens während dieser ganzen Phase, die bestimmt 6 Jahre dauerte, nicht mehr ab.

Selbstreflexion im Spiegel: du bist, was du isst…

Irgendwann muss ich wohl an einem Spiegel vorbeigekommen sein und ich entschloss ich mich, wieder darauf zu achten, was ich esse. Ich wurde wieder zum Vegetarier. Sofort beruhigte sich meine Haut, ich nahm ordentlich und schnell ab und ich hatte also zum ersten Mal die Bestätigung, dass du bist, was du isst.

Die Macht der Lebensmittelauswahl

Damit hatte ich nun ein sehr mächtiges Werkzeug an der Hand und ich manipulierte meinen Körper damit in jede nur erdenkliche Richtung. Ich bekam meine Traumfigur, sah richtig gesund aus, hatte tolle Haut, tolles Haar und tolle Nägel. Ich fühlte mich richtig gut, stark und gesund. Und ja, in dieser Zeit hatte ich echt ein krankhaftes Verhalten, was meine Ernährung anging, an den Tag gelegt: Denn ich dachte den ganzen Tag an wenig mehr als an meine Ernährung. Wenn ich nicht gerade beim Arbeiten war.

Veganer sind die besseren Menschen

Nach einiger Zeit traf ich auf die Tierschutzorganisation PETA. Nun wurde mir das erste Mal so richtig bewusst, wie sehr Tiere unter unserer unbewussten, fleischgeilen Ernährung leiden. Sofort beschloss ich, von nun an vegan zu leben. Ich wollte hier natürlich alles richtig machen, denn ich wollte keinem Allesesser mein Aussehen oder meine Gesundheit als Angriffsfläche feilbieten. Also habe mich sehr genau informiert, welche Nährstoffe ich aus welcher Quelle am besten beziehen konnte. Nun rechnete ich den ganzen Tag hin und her, ob ich den auch wirklich alle wichtigen Nährstoffe zu mir genommen hatte. Vermutlich gab es in meinem Umfeld keinen einzigen Menschen, der so genau darüber informiert war, welche Nährstoffe ihm heute noch fehlten.

Vegan leben kann ganz schön anstrengend sein

Doch wie du wahrscheinlich schon errätst, ging mir hier schnell die Puste aus. Vielleicht war ich nicht lange genug Veganer, damit mir das in Fleisch und Blut überging oder vielleicht war ich einfach zu genau. Aber es ging mit der Zeit richtig auf den Keks, ständig nachzurechnen, um auch ja nichts falsch zu machen. Ich beschäftigte mich den ganzen Tag mit Mikronährstoffen für eine gesunde Ernährung. Dazu kam noch das Problem, dass ich wahnsinnig gerne mit Freunden essen ging. Doch leider war zu dieser Zeit das vegane Angebot in Ulm echt mau. Die Frage nach dem veganen Gericht wurde meist mit “Ja, Salat haben wir auch, Sie können gern Essig und Öl dazu haben” beantwortet.

Vegane vs. basische Ernährung

Nun, ich gab mein Veganertum also auf… doch diesmal beschäftigte ich mich weiter mit der Ernährungsfrage. Denn mittlerweile hatte ich einen Freund, der sehr darauf bestand, dass ich gut aussah. Natürlich wollte ich damals nichts anderes als ihm zu gefallen. Und ich beschäftigte mich weiter mit dem Thema gesunde Ernährung. Diesmal ernährte ich mich basisch. Das ist, im Vergleich zu veganer Ernährung, eine relativ harmlose omnivore Ernährung mit sehr sehr wenig tierischen Produkten. Ein sanfter Einstieg zurück in die normale Welt.

Basische Ernährung hat übrigens dieselben Vorteile wie vegane Ernährung, wenn´s um die Optik geht: man sieht einfach schlank und gut aus. Nach einiger Zeit stieß ich auf das Thema artgerechte gesunde Ernährung des Menschen. Mit diesem Attribut ziert sich die Paleo-Diät. Wer bei Steinzeit-Ernährung jetzt an Fleischorgien denkt, den muss ich aber leider enttäuschen. Die Paleo-Diät geht davon aus, dass der Steinzeitmensch (übrigens eine sehr realistische Vorstellung, dazu habe ich recherchiert) zu großen Teilen von Samen, Beeren, Nüssen, Gräsern, Insekten und Wurzeln lebte, hin und wieder auch von Früchten, Honig oder Eiern. Und wenn er letztendlich auch einmal Jagderfolg hatte, gab es Fleisch.

Der Steinzeit-Feinschmecker

Deshalb gibt es bei der Paleo-Diät vornehmlich rohe vegetarische Kost, manchmal auch warme Mahlzeiten, sehr wenig Fleisch, kein Fastfood, keine verarbeiteten Lebensmittel und keine Milchprodukte.

Paleo-Diät: Was isst eigentlich der moderne Steinzeitmensch?

Während dieser Zeit fühlte ich mich gesund und stark wie nie zuvor. Ich achtete penibel darauf, meine Nahrung nur aus Demeter-Quellen zu beziehen, denn nur so ist die Naturnähe der Lebensmittel annähernd gegeben. Dann wurde ich schwanger, und mein Heißhunger auf ungesunde Ernährung wurde stärker als mein eiserner Wille. Doch was blieb, war der Fokus auf Bio- und Demeterqualität.

Warum Bio-/Demeternahrung?

Eigentlich eine erschreckende Frage, denn heute muss Nahrung, die so ursprünglich wie möglich ist, extra gekennzeichnet und benannt werden, um als solche erkannt zu werden. Den Gegenpol bilden auf Profit ausgelegte neue Züchtungen. Unsere Nahrungsmittel werden heute auf ausgelaugtem Ackerland oder auf Substrat angebaut. Die Früchte unserer Äcker wachsen sehr schnell, oft ohne Sonnenlicht in einer künstlichen Umgebung.

Demeter-Nahrung ist nährstoffreicher und ursprünglicher.
(Ja, das hier ist Raps, aber das Motiv ist so schön…)

Oft kaufen wir Obst und Gemüse, das unreif nach wenigen Wochen Wachstum gepflückt wurde, um während der Reise zu uns zu reifen. Dieses Obst, dieses Gemüse schmeckt fast neutral. Es bietet kaum Nährstoffe und hat mit den Vorstellungen in unseren Köpfen, im Supermarkt an der Gemüsetheke Vitamine zu kaufen, meist nichts mehr zu tun. Somit ist gesunde Ernährung unweigerlich an Bio- und Demeterqualität gebunden.

Exponentionelles Tierwachstum

Genau dasselbe Schema finden wir bei konventioneller Tierhaltung: es werden Tiere gezüchtet, die möglichst schnell möglichst groß werden, meist sogar nur an bestimmten Körperteilen. So wächst beispielsweise beim Masthähnchen besonders die begehrte Hähnchenbrust. Das Tier leidet enorm unter der unproportionalen Gewichtsverteilung, die Beinchen sind oft zu schwach um das Gewicht zu tragen. Die Tiere sehen niemals Sonnenlicht, haben keinen Platz sich zu bewegen. Oft sogar nicht einmal eine Möglichkeit, sich zu beschäftigen. Nach wenigen Wochen werden die Tiere dann zum Schlachthof transportiert, wo sie im Akkord getötet werden. Und schlussendlich landet ein großer Teil des produzierten Fleischs sogar noch auf dem Müll, weil wir einfach von allem zu viel haben. Das ist doch krank.

Deine tägliche Portion Antibiotika

Ganz zu schweigen davon, dass für eine solche tierische Aufzucht eine riesige Menge Antibiotika nötig ist. Die Nutztiere leben sehr eng aufeinander. Ein grausames Leben in Dunkelheit und den eigenen Exkrementen. Sie werden gequält, sind ständig verletzt und krank. Männlichen Ferkeln beispielsweise werden bei vollem Bewusstsein die Hoden abgerissen. Wie kann das denn sein? Viele dieser Tiere bekommen trotz ihres jungen Schlachtalters Tumore und andere chronische Krankheiten.

Deine tägliche Portion Antibiotika?

Mein Mann und ich interessieren uns sehr genau dafür, wo die Produkte, die wir verzehren, herkommen. Am liebsten ist uns, wenn wir Lebensmittel aus der Umgebung finden. Zum einen können wir uns davon ein Bild machen, wie die Tiere gehalten oder die Felder bestellt werden. Zum anderen ist uns auch die CO2-Bilanz sehr wichtig.

Warum also sollen wir uns gesund und bewusst ernähren?

Das ist recht leicht zusammen gefasst: zum einen kann man so Tierleid reduzieren. Man kann die CO2-Bilanz gering halten. Man kann auf Verpackungen verzichten, da man direkt beim Hersteller einkaufen kann. Zudem erhält man Lebensmittel, die voller Nährstoffe sind, die tatsächlich also tatsächlich das bringen, was man erwartet. Kurz: gesunde Ernährung gibt deinem Körper, was er braucht. Nährstoffe und eine intakte Umwelt.

Gesunde Ernährung ganz einfach erklärt: sei dein Pferd

Und wenn du jetzt noch nicht ganz überzeugt bist, dann habe ich dir hier noch eine kleine Geschichte, die ich neulich bei Bodo Schäfer gehört habe: stell dir vor, du besitzt ein edles Rennpferd. Das Pferd ist preisgekrönt, hat eine riesige Menge an Geld gekostet und ist deine zuverlässige, aber einzige, Einkommensquelle. Was würdest du diesen Pferd zu fressen geben? Würdest du ihm Discounter-Billigware anbieten? Würdest du ihm Alkohol zu trinken geben? Würdest du es die ganze Nacht durchfeiern lassen? Oder es stundenlang auf dem Sofa vor der Glotze rumhängen lassen? Wahrscheinlich würde es von dir das beste Bio-Heu bekommen, das du finden kannst. Vielleicht würdest du das Heu sogar selbst anbauen. Es würde das beste Wasser zu trinken bekommen, das du finden kannst. Du würdest mit ihm mehrere Kilometer täglich Laufen oder Reiten gehen und du würdest dafür sorgen, dass es sich genügend ausruht.

Sei dein Pferd: behandle deinen Körper wie das Rennpferd.

Merkwürdigerweise behandeln viele von uns ihre Tiere besser als ihren eigenen Körper. Was gesund ist, wissen wir für Tiere genauer als für uns selbst. Stell dir also vor, dein Körper wäre das Rennpferd. Wenn du deinen Körper genauso behandelst, wie wenn es dieses Rennpferd wäre, dann ernährst du dich gesund.